Eine Zukunftsprognose für die Terminologie

Die Ausgabe 2/2009 des Terminologie-Magazins eDITion enthält einen interessanten, 5-seitigen Artikel über Ursprünge und die mögliche Zukunft des Terminologiemanagements. Die “Grundsätze und Methoden der Terminologie”, so die Autorin Sue Ellen Wright, fänden “in einer wachsenden Zahl von Wissensgemeinschaften [...] Anwendung”. Die Kernaussage des Artikels lautet: Terminologiemanagement – auch wenn es nicht immer eindeutig als solches erkannt und definiert wird – war schon immer wichtig und wird künftig durch die zunehmende Vernetzung von Wissenschaften und Technologien immer wichtiger.

Die “milliardenschwere Übersetzungsindustrie”, mit der Terminologiemanagemt naturgemäß eng verbunden ist,  befindet sich nach wie vor in einem steten Wandel. So trägt laut Wright beispielsweise die Web-2.0-Gemeinschaft “mit ihren interaktiven und gruppendynamischen Elementen [dazu] bei, die Übersetzungslandschaft zu verändern”.

Thematisiert wird auch die wechselseitige Beziehung zwischen Technik und Sprache: Durch moderne Technik wird die Speicherung feinstrukturierter Terminologie ermöglicht. Und erst durch feinstrukturierte Terminologie werden einige moderne Technologien ermöglicht, wie beispielsweise das Semantische Web bzw. Suchmaschinen, die Sinnzusammenhänge erkennen können. Eine starke Verbreitung solcher Technologien wird laut Wright derzeit noch dadurch behindert, dass noch viele “inkompatible Systeme” existieren. Wobei die Inkompatibilität u.a. auf den Datenaustausch bezogen ist.

Interessant auch die Einschätzung Wrights, dass in den einschlägigen Diskussionsforen für Terminologen “die Beurteilung von Vorschlägen oft  stärker im Vordergrund [stünde] als die Suche nach konkreten Informationen”. Klingt ein wenig so, als befürchte Sie eine Qualitätsminderung.

Stellenweise ist der Artikel auch technisch recht konkret: Wright erwähnt beispielsweise UML (Unified Modeling Language), eine “Sprache [...] zur Darstellung terminologischer Begriffssysteme”. Auch RDF (Resource Description Language) und OWL (Web Ontology Language) sind für den einen oder anderen Terminologie-Interessierter sicherlich einen näheren Blick wert.

Richtig spannend wird es bei der Benennung “Terminologie” selbst. Die wird nämlich laut Wright nicht in allen “Wissensgemeinschaften” mit der gleichen Bedeutung verwendet, wodurch die rechnergestützte Austauschbarkeit von Informationen prinzipiell eingeschränkt ist.

Nach einer ausführlichen Darstellung der gegenwärtigen Möglichkeiten und Schwierigkeiten wird dann noch der in der Überschrift angekündigte Blick in die Zukunft gerichtet: Die verwendeten Datenmodelle werden weiter verbessert, um trotz der erwähnten Hürden semantische Verbindungen zwischen den Informationen herstellen zu könne. Auch Metadaten spielen dabei eine wichtige Rolle. Insbesondere werden Technologien entwickelt, die das Vertrauen der Anwender in die semantische Richtigkeit (und die Richtigkeit der Informationen überhaupt) stärken.

Für Terminologen in der Technischen Dokumentation ziehe ich folgendes Fazit: Unternehmen, die sich die Mühe machen, ernsthaftes Terminologiemanagement zu betreiben, wollen und sollen die gewonnenen Informationen für mehr verwenden, als nur zum Erstellen sprachlich konsistenter technischer Dokumentation. Wozu noch, bleibt der Innovationsfreude der Unternehmen überlassen, aber die Möglichkeiten der Informationsvernetzung – und damit die Komplexität unseres Berufsbildes – werden zunehmen.

Der vollständige Artikel kann als PDF hier heruntergeladen werden:  Jenseits der Fachkommunikation — ein Blick in die Zukunft der Terminologie

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